Interview mit ZüriUsemneNeueBlickwinkel

on June 06, 2021

Interview mit Walter Andreas Schweizer von 

ZüriUsemneNeueBlickwinkel

«Einfach Zürich. Das war die Idee dahinter.»

Heute gibt es ein Interview mit Walter Andreas Schweizer.
Er ist 40 Jahre alt, kommt aus der Stadt Zürich und liebt es zu fotografieren. Er geht auch gerne Wandern und trifft sehr gerne Menschen.

Walter Schweizer

Walter Andreas Schweizer fotografiert nun schon seit mehr als 20 Jahren und hat immer noch Freude daran.

Seit 2015 besitzt er die beiden Instagramprofile zurichby.ch und einfach_schweizer, auf denen er seine Fotos der Öffentlichkeit zugänglich macht.

2020 hat er die Firma Einfach Schweizer gegründet und besitzt seit 2015 die Website Einfach Schweizer.

Er arbeitet bei der Stiftung St. Jakob im Bereich Gastronomie als Teamleiter des Administration-Gastrobüros und als Marketingleiter der Gastronomie.

Hallo Walter.

Sali.

Das 21. Jahr deiner Karriere als Fotograf ist angebrochen – Was war in all den Jahren dein grösstes Highlight?

Mein grösstes Highlight? Ja, doch, das weiss ich. Das war der Punkt, als ich beim Lindenhof war am 26. Dezember vor ein paar Jahren. Da war ich allein unterwegs und es war recht kalt. Der Mond war noch recht klar und der Sonnenaufgang kam. Das Mondlicht hatte aber noch so viel Licht gegeben, dass Grossmünster sehr hell war und hinter dem Grossmünster ging dann gleichzeitig die Sonne auf. Für mich war das ein Mega Event.

Gab es in diesen 21 Jahren auch einige kontroverse Begegnungen, vor und hinter dem Objektiv?

Ja, ich war in Kolumbien unterwegs, oder besser gesagt im Ausland bin ich in einige brenzlige Situationen gekommen, weil ein Fotograf nicht immer überall gerne gesehen wird. In Kolumbien kam ich mal mit der Polizei in eine Kontroverse Situation. Ich dachte ich würde etwas völlig Normales fotografieren, ein Gebäude und die Landschaft, dann kamen sie auf einmal angerannt und das war ein bisschen ein komischer Moment.

 

Ok und was war denn nicht in Ordnung?

Ich musste mit ihnen zusammen dann das Foto löschen, weil es angeblich Dinge da-rauf hatte, die, ich weiss es bis heute nicht, weil mein spanisch nicht so gut ist, an-scheinend nicht ins Internet hätten kommen sollen. In Kolumbien ist es dann noch komisch, wenn sie plötzlich angerannt kommen (lacht).

Gut, dann weiss ich jetzt, wo ich am besten nicht fotografieren sollte.

Ja.

 21 Jahre sind ein paar Jahre vor meiner Zeit. Hast du selbst auch Fotos entwickelt?

Selbst entwickelt habe ich nie. Am Anfang habe ich es, als ich noch in Dielsdorf gelebt habe, der FUJI gebracht zum Entwickeln, aber selbst habe ich es nie probiert.

In welchem Alter hast du gemerkt, dass die Fotografie einen Teil in deinem Leben spielen soll?

Das war während meiner Lehre. Das genaue Alter weiss ich nicht mehr, aber es war so in der Mitte meiner Lehre. Da hatte ich das erste Mal mit einem Fotografen zu tun und der hatte Blitze fotografiert. Die Technik, wie er die Blitze fotografiert hat, hat mich begeistert und so kam ich dann aufs Fotografieren.

Interessant. Da haben wir die nächste Frage fast schon beantwortet, wie kam es dazu, war es eine Anbahnung, oder kam es von einem Tag auf den nächsten?

Fotografieren hat mich schon immer begeistert, aber das war der Punkt, der aus-schlaggebend war. Ich kann mich heute noch daran erinnern, wie er mir das erklärt hat und wie ich das dann selbst zum ersten Mal habe machen können. Zuerst 30 Sekunden Belichten. Wie geht das? Dann setzt man sich damit auseinander und man erhält dann solche Bilder und dann verfällt man der Fotografie. 

In welchem Alter hast du dir die erste Kamera gekauft/bekommen?

Die erste? Das war mit 16, gleich nach dem Erlebnis mit dem Fotografen habe ich mir eine Kamera gekauft. Mit der Minolta Kamera meines Vaters, habe ich aber auch vorher schon ein bisschen gespielt, aber nur so ein bisschen normal fotografiert.

Hast du dir das Fotografieren selbst beigebracht oder warst du mal in einem Kurs?

Nein, in einen Kurs bin ich nie gegangen. Ich habe mir fast alles selbst beigebracht mit Büchern, später dann mit Youtube Videos und jetzt schaue ich immer noch sehr gerne Youtube Videos, aber auch TikTok Videos ich bin fasziniert, was die Jungen heutzutage alles hinkriegen, wo man früher so viel überlegen musste und teure Programme benötigt hat. Heute schaust du irgendein Video und dann sagt er, hier hast du das gratis App, zack zack. Ok, es geht also auch einfacher. Die Zeit jetzt finde ich faszinierend.

 Ja, das stimmt. Es ist Wahnsinn was man heute alles findet.

Ja und vor allem, du schaust ein Youtube Video und dann denkst du, oh Mann, hätte ich das bloss vor 10 Jahren gewusst, dann hätte ich das einfacher haben können und einfacher gemacht. Aber es gibt einem neue Perspektiven und neue Ideen und ich finde es noch cool.

Womit hast du dann, im fotografischen Sinne, gestartet? Personenfotografie oder Landschaften?

Mit Landschaften. Landschaften sind das was ich kann, was ich auch gerne mache. Bei der Personenfotografie versuche ich mich langsam ranzutasten. Portraitaufnahmen kann ich noch nicht so gut. Mein Problem ist, das ist eigentlich noch lustig, weil ich vom Verkauf bin, ursprünglich, den Leuten Anweisungen zu geben. Mit dem habe ich noch Mühe. Am nächsten Wochenende werde ich mit einer Kollegin, die recht gross und attraktiv ist und jetzt ganz kurze Haare hat, fotografieren gehen. So eine Frau mit kurzen Haaren, sieht man ja normalerweise eher nicht und sie hat mich gefragt, ob ich sie mal fotografieren würde. Ich habe ja gesagt, weil ich es interessant finde, ihr dann Anweisungen geben zu können.

Du sagst jetzt anweisungen. In welchem Sinn?

Zum Beispiel: Dreh den Kopf nach links. Dann musst du noch spiegelverkehrt denken, damit es dann das richtige links ist, kannst du ein bisschen mehr in die Kamera schauen oder kannst du mal mehr nach oben schauen. Sozusagen ihr zu sagen, wie ich sie gerne auf dem Foto würde haben wollen. Das ist für mich noch eher schwierig. Landschaften bleiben stehen. Ihnen muss man nichts sagen (lacht).

Gibt es sonst noch eine Art von Fotografieren, die du gerne ausprobieren würdest?

Ich bin jetzt froh, dass ich hier in der Stiftung St. Jakob viel habe ausprobieren dürfen. Wie die Produktefotografie zum Bei-spiel. Jetzt haben wir gerade das Brotshooting gemacht und dort war es dann auch interessant. Wie, das Mehl so hinzuwerfen, dass es gut aussieht. Das macht mir momentan sehr viel Spass. Was ich jedoch wirklich vertiefen will, ist die Porträtfotografie.

Du hast gesagt, du hättest im Verkauf begonnen. Wo hat dein beruflicher Werdegang angefangen?

Mein beruflicher Werdegang hat im Ochsner Sport in Oerlikon begonnen. Dort habe ich meine Lehre gemacht. Danach war ich Abteilungsleiter an der Bahnhofstrasse, Filialleiter in Regensdorf und Stellvertretender Filialleiter im Glattzentrum. Ich war fast 20 Jahre lang bei Ochsner Sport. Danach war für mich genug. Ich habe mir dann einen Sommer lang Auszeit genommen. Ich war bei einem Kollegen, der ein Rafting Unternehmen hat aushelfen. Danach bin ich bei der Stiftung gelandet.

Wie bist du dann vom Verkauf auf das Adminbüro gekommen?

Meine Eltern hatten eine Bäckerei und mein Vater war Bäcker-Konditor. Deshalb habe ich auch schon in meiner Kindheit in der Bäckerei gearbeitet, wollte aber nicht den Beruf an sich selbst ausüben. Aber als ich diese Stelle gesehen habe, dachte ich, ok es ist Verkauf, Bäckerei, ich kenne das Fach ein bisschen und es macht Spass. Ich wollte auch wieder einmal von Grund auf anfangen und mich nach oben arbeiten.

Zuerst warst du Mitarbeiter und jetzt bist du Teamleiter. Hat sich für dich viel verändert?

Eine schwierige Frage. Früher waren alles langjährige Mitarbeiter um mich herum, da war es für mich schwierig, mich in das Team einzugliedern, das schon gut eingearbeitet ist, mit neuen Ideen zum Beispiel. Das fand ich ein bisschen schwierig. Dann sind jedoch viele gegangen und viele neue gekommen und dementsprechend kommen auch neue Ideen. Ich denke mit dem neuen Team geht das recht schnell. Ein neues Brotsortiment aus dem Boden zu stampfen mit dem Abteilungsleiter der Bäckerei, innerhalb von 3 Monaten, das wäre, als ich hier begonnen habe undenkbar gewesen für die Leute und jetzt ist es machbar. Es ist schön, neue Dinge ausprobieren zu können.

Auf was legst du mittlerweile beim Fotografieren deinen Fokus?

Der Fokus, ist sicher Landschaften. Jetzt dank Corona ist der Hauptfokus die Stadt Zürich. 2018 hat es eigentlich angefangen, dass ich mich mit der Stadt Zürich intensiv begann auseinanderzusetzen. Dann kam mir der Gedanke, dass die Stadt Zürich 12 Kreise hat. Und da habe ich mir gesagt, gut da mache ich jetzt ein Projekt daraus, jeden Monat einen Kreis und so entstand das Projekt Eifach Züri. Es war ein sehr cooles Projekt, das war auch lange der Name meines Accounts auf Instagram, bis das Landesmuseum auch eine Abteilung Namens einfach Zürich gemacht hat. Und deshalb habe ich den Account dann in zurichby.ch umbenannt.

Wie oft gehst du im Monat fotografieren?

Ich probiere sicher einmal in der Woche fotografieren zu gehen. An Ostern zum Beispiel war ich fast täglich unterwegs am Morgen. Es ist halt sehr unterschiedlich, vor allem auch wie und wann ich arbeite. Früher bin ich immer 2-3-mal in der Woche unterwegs gewesen.

Du hast gesagt jeden Morgen. Tendierst du dazu, am Morgen zu Fotografieren?

Ja. Ich bin sehr oft am Morgen unterwegs. Wobei es auch mit der Kälte zu tun hat, dass ich am Abend nicht unbedingt unterwegs bin. Jetzt im Sommer möchte ich auch gerne am Abend unterwegs sein, aber wenn man am Sonntagmorgen durch die Stadt geht, sieht man keine Leute egal wo. Sonst auf anderen Instagram Kanälen sieht man zum Beispiel eine hübsche Frau oder sonstige Leute auf den Fotos, aber am Sonntagmorgen nicht. Du kannst die Stadt allein Fotografieren. Deshalb bin ich so oft am Morgen unterwegs.

Du hast gesagt du willst im Sommer auch vermehrt am Abend fotografieren gehen, Entwicklung Stadelhofen zum Beispiel, macht dir das ein bisschen sorgen, wenn du auf Zürich schaust, wenn du am Abend allein unterwegs bist?

Nein, weil als ich in der Lehre war, habe ich noch die offene Drogenszene erlebt. Das mit den Ansammlungen der Jugendlichen ist für mich kein Problem, weil sie sich ja auch irgendwo treffen müssen.

 Ich denke mehr an die Situation, was wäre, wenn plötzlich 5 vermummte Jugendliche um die Ecke kommen würden?

Huh. Das hatte ich jetzt schon lange nicht mehr (lacht). Meistens habe ich Glück. In meinem Leben hatte ich bis jetzt eigentlich immer Glück gehabt. Ich hatte nie einen Moment, in dem ich in so etwas hineingeraten bin. Und sonst habe ich mich meistens rausreden können und bin davongekommen, aber ich hatte bis jetzt zum Glück noch nie mit irgendwelchen Vermummten im üblen Stil zu tun. Ich bin ja auch schon durch Kolumbien und war sonst schon an vielen Orten auf der Welt und in Zürich habe ich noch nie Angst gehabt.

 Wie weit würdest du für ein perfektes Foto gehen?

Ich gehe sehr weit, aber es gibt zwei Grenzen. Grenze 1 ist die Kälte und die 2 Grenze ist, wenn es gefährlich wird. Zum Beispiel, wenn ich an einer Klippe bin. Ich habe mir noch nie etwas gebrochen und mich noch nie eher schwer verletzt, also gehe ich kein Risiko ein (lacht).

Im Jahr 2015 hast du die Internetseite Einfach Schweizer erstellt. Seit dem Jahr 2015 betreibst du auf Instagram die Kanäle zurichby.ch und einfach_schweizer. Täglich beglückst du mehr als 3000 Leute mit deinen Fotos – Wie kamst du auf die Idee, diese Kanäle zu erstellen?

einfach_schweizer ist sprichwörtlich eine Schnapsidee gewesen (lacht). Ich habe schon fotografiert und damals war die Zeit, als Facebook und Instagram im Kommen war. Eigentlich habe ich mich gegen aussen nie gross gezeigt. Ich war immer mit dem Gedanken: «Meine Fotos will niemand sehen.». Das war damals mein Eindruck. Dann sind meine Kollegen und ich ein bisschen zusammengesessen und sie haben gesagt, probiere es doch mal trotzdem, zeig deine Fotos. Auch meine Freundin hat mich recht gepusht und dann habe ich gesagt gut, ok, ich probiere es. Ich suchte also einen Namen und da ich ja Walter Schweizer heisse, kam der Vorschlag, ja eigentlich müsste ich den doch irgendwo mit drinnen haben. Dann war meine Antwort aber einfach so etwas zu machen und ihre Antwort war mach doch einfach etwas(lacht). Und so ist der Name einfach_schweizer entstanden. Danach kamen Leute, die fragten, ob sie so etwas kaufen können. Ich dachte mir gut, mache ich doch auch noch einen Onlineshop, erstellte eine Website und steigerte mich immer mehr ins Online Metier hinein. Als nächstes kam dann das Projekt «eifach Züri» und dann war die Idee, ich laufe einfach durch Zürich. Einfach Zürich. Das war die Idee dahinter.

Du sagtest, deine Freundin hat dich recht gepusht. Unterstützt sie dich auch mit den Fotoprojekten im Alltag?

Ja. Sie gibt mir auch oft Kritik und sie war auch diejenige, die mir gesagt hat, gut, das Grossmünster habe ich jetzt zum 100’000-mal gesehen man kann auch etwas Neues bieten (lacht). Sie ist allerdings nicht gerne vor der Kamera aber hat mir zum Beispiel auch gesagt, dass der Negrellisteg eröffnet hat. Also bin ich dann auch dort gewesen und habe Fotos gemacht.

Du gehst in der Öffentlichkeit fotografieren. Da wird man zum Teil auch ein bisschen blöd angeguckt. Hast du beim Fotografieren Schamgefühle oder ist das mit der Zeit verschwunden?

Nein, ich habe teilweise immer noch Schamgefühle oder sagen wir es so, ich bin recht schweizerisch geprägt. Zum Beispiel wo andere das Privatgelände betreten oder über den Zaun klettern, ist für mich Schluss. Das mache ich nie. Ich bin immer sehr respektvoll gegenüber diesen Dingen und den Menschen. Früher habe ich auch Menschen fotografiert, mittlerweile mache ich es nicht mehr. Ausser es ist so, dass sie unkenntlich sind, oder in grossen Massen, oder halt gerade zwei oder drei Personen auf einer Brücke sind, dann…Sorry. Früher habe ich auch gezielt Leute in der Öffentlichkeit fotografiert, das mache ich jetzt nicht mehr. Ich vermisse es jedoch ab und zu, weil es immer wieder eine lustige Szene zu sehen gibt. Letztens habe ich am frühen Morgen einen alten Mann gesehen, der ein FCZ-Logo übermalt hat. Das sah von hinten so toll aus, aber ich hatte leider keine Kamera dabei. Das wäre Super gewesen.

 Schwarzweisse Fotos findet man auf deinen Kanälen nur ein einziges. Wie kommt das?

Bis jetzt habe ich selten Schwarz-weisse Fotos gemacht, weil ich eigentlich sehr farbig unterwegs bin. Aber das könnte ich vielleicht auch mal wieder ausprobieren.

Und nun kam im Jahr 2020 der nächste grosse Schritt. Du hast die Firma Einfach Schweizer gegründet und verkaufst nun deine Fotos unter anderem als T-Shirt, Poster und Bilder. Ging damit ein Traum für dich in Erfüllung?

Nein, es ist wie ein zweites Hobby geworden. Es hat begonnen mit der Bilderbearbeitung, dann kam der Onlineshop und die Website und beim Bearbeiten habe ich immer mehr entdeckt. Für Einfach Zürich wollte ich ein Logo machen und dann haben ein paar Leute gefragt, ob sie das Logo kaufen können, da war ich schon ein bisschen erstaunt. Deshalb liess ich das Logo mal auf ein T-Shirt drucken, das wurde dann auch von einigen gekauft. Aktuell ist es jedoch so, dass man nur Bilder kaufen kann, ich musste ein bisschen runterfahren, weil ich aufgrund von Corona mit dem Zoll Probleme bekommen habe. Ich bin momentan alles am redesignen und es wird eine neue Kollektion geben. Ich probiere dann auch wieder alles zu machen, sobald Corona wieder ein bisschen abgeklungen ist. Ich suche auch nach lokalen Anbietern, die einen guten Textildruck bieten können.

 Auf dieser Website sind auch einige gestaltete Poster zu finden. Wird es mehr in diese Richtung geben und wird das vielleicht ein weiteres Hobby von dir, oder ist es das schon?

Diese Poster sind alles Originalfotos, die ich überarbeitet habe. Sobald ich auch mehr Zeit habe, wird es in Zukunft auch mehr von den Postern geben. Es ist ein kleines Nebenbei-Hobby. Meine Freundin arbeitet in der Pflege und wenn dann schlecht Wetter ist und man nichts vorhat und sie Spätdienst hat und vielleicht erst um 11 Uhr heimkommt, kann ich meistens nicht schlafen, bevor sie Zuhause ist. Dann setze ich mich an den PC und mache diese Poster. Aufgrund meiner beruflichen Umstellung ist es momentan aber auch so, dass ich dann vielleicht schon 10-12 Stunden am PC war und dann am Abend nicht mehr mag.

 

Gab es einen Moment, in dem du gesagt hast; «Jetzt habe ich keine Lust mehr aufs Fotografieren!»

Ja, das gab es Mal. Das war nach einer sechsmonatigen Reise durch Südamerika, da hatte ich knapp 10'000 Fotos gemacht und diese alle zu sortieren brachte mich dazu zu sagen, ok ich kann es nicht mehr sehen (lacht). Auf der Reise gab es so viele schöne Momente, da gibt es eben halt auch viele Fotos. Nach ein paar Wochen kam dann aber alles wieder zurück.

 

Du fotografierst viel in Zürich und der Schweiz, aber auch auf Reisen. Gibt es eines oder mehrere Lieblingsbilder, die du bis jetzt hast, wenn ja, welche/s?

Ein Lieblingsbild von mir ist aus Vietnam. Das ist das mit dem Hund, der auf der Strasse sitzt. Das war unglaublich, denn ich bin anzulaufen gekommen und der Hund war nicht dort. Als ich dann die Strasse runtergelaufen bin, hat er sich hingesetzt. Als ich dann die Strasse runtergeschaut habe war er plötzlich dort, dann habe ich ein Foto gemacht und keine zwei Sekunden später als ich das Foto gemacht habe, ist er schon wieder gegangen. Das waren die perfekten fünf Sekunden. Es gibt so viele Fotos, so viele schöne Momente, ich hatte wirklich Glück, dass ich die einfangen konnte. Es gibt allerdings auch Momente, die ich nicht fotografieren konnte, die genauso schön gewesen sind. Es gab mal einen Moment, da habe ich einen wirklich grossen Adler gesehen, der seine Kreise gezogen hat und der ist mehrmals vor dem Vollmond durchgeflogen. Wenn ich dort das richtige Objektiv gehabt hätte, hätte es sicherlich ein kitschiges Bild gegeben (lacht). Auch viele Fotos in der Stadt Zürich und in Patagonien zählen zu meinen Lieblingsbildern, doch alles in allem sind es so viele Bilder, mir kommt gerade keines mehr in den Sinn.

 

Beim Recherchieren bin ich darauf gestossen, dass du schon ein paar Projekte realisiert hast und jetzt ebenfalls an einem bist. Was kannst du mir darüber erzählen (je Projekt).

Beim jetzigen Projekt will ich gerne alle Tramstrecken von Zürich ablaufen und die Leute fotografieren, die entlang dieser Linien leben. Ein weiteres Projekt wäre 24 Stunden an einem Ort zu sein und alles Fotografiere, was in diesen 24 Stunden an diesem Platz läuft. Und ich möchte auch irgendwann einmal wieder durch die Schweiz reisen, weil ich da auch noch einige Ideen für in den Bergen habe.

Auf deinem Instagramkanal zurichby.ch kann man die Kreise 1-7 nochmals in den Storyhighlights anschauen. Was ist mit den Kreisen 8-12 passiert?

Faulheit. Ich bin immer noch nicht fertig, aber ich werde es noch fertigstellen in Zukunft (lacht).

 Da dürfen wir gespannt sein was noch auf uns zukommt.

Ja, vor allem beim Kreis 12. Schwamendingen finde ich noch schwierig.

 Warum?

Es hat schon ein paar schöne Dinge, aber ich finde es schwierig, was ich dort fotografieren soll. Mir fehlt wie die Inspiration. Oerlikon hat zum Beispiel noch viel interessantes, hinter dem Bahnhof, das Neue, das Alte, aber Schwamendingen ist recht schwierig.

 

Gibt es eventuell ein weiteres Projekt, das in Planung ist und über das du uns hier vielleicht einen kleinen Einblick geben willst?

Nein, eigentlich sind es wirklich nur diese zwei Projekte, die ich in Planung habe. Was ich jedoch auch noch machen möchte in Zukunft ist Filmen.

 

Wieso?

Weil ich das Fotografieren bereits sehr gut kenne und weiss, wie es funktioniert und beim Filmen kenne ich mich überhaupt nicht aus. Das ist auch etwas Neues, das ich gerne erlernen würde.

 

In welche Richtung möchtest du Filmen?

Auch Landschaft oder moderne Videos herzustellen. Ich habe erst vor kurzem für die Stiftung etwas auf TikTok ausprobiert, ich finde es faszinierend das auszuprobieren. Ich probiere einfach gerne etwas Neues.

 

Lieber natürliche oder bearbeitete Bilder?

Primär natürliche. Es gibt aber, ich möchte jetzt keinen Namen nennen, gewisse Instagram Kanäle, die sehr erfolgreich sind. Erstens kaufe ich keine Likes. Ich habe 2’000 Follower. Das sind aber eher Follower, die mit mir interagieren, statt 17'000 Follower zu haben aber nur 30 Likes auf dem Bild, das bringt einfach nichts. Ich bearbeite meine Fotos höchstens ein bisschen im Kontrast und den Farben. Aber definitiv natürliche Fotos sind mir lieber. In letzter Zeit sieht man auch vermehrt Fotos von gewissen Kanälen, bei denen mit den neu-en Programmen die Sonne ein bisschen schöner machen. Das blöde ist einfach, wenn die Sonne von hinten kommt, aber der Schatten in eine andere Richtung fällt. Das fällt den Leuten leider nicht auf und das Bild wird hochgeliked und du hockst einfach so dort und denkst dir ok.

 

Welche Kamera(s) haben dich bis jetzt begleitet?

Sony Kameras. Ganz am Anfang noch Minolta, aber Minolta wurde dann ja von Sony gekauft. Ich war einer der wenigen, der von Anfang an Sony benutzt hat und früher wurde ich ausgelacht und heute hat fast jeder eine, aber ist ok.

 

Wieso Sony?

Weil ich von Minolta noch die Objektive gehabt habe und weil ich die grossen, klobigen Spiegelreflexkameras immer gehasst. Und als Sony gekommen ist und gesagt hat, wir machen eine Spiegellose Kamera, war ich begeistert und bin gleich auf die neue Technologie umgestiegen. Das habe ich bis heute beibehalten und ich bin froh, dass die Zeit mir recht gegeben hat (lacht).

 

Gab es auch eine (oder mehrere) Kamera(s), bei denen du den Kauf bereut hast?

Ja, da gab es mal eine kleine Kompaktkamera, bei der habe ich gemerkt, dass ich ganz schnell wieder auf Vollformat zurück-muss und das habe ich dann auch ganz schnell wieder gemacht (lacht). Seit fast 2014 bin ich nur mit Vollformatkameras von Sony unterwegs.

 

Warum hast du die Fotografie nur teilweise als Beruf und nicht voll?

Dafür gibt es zwei Gründe. Ich hatte zu wenig Mut um mich als Fotograf selbstständig zu machen und zweitens möchte ich es als Hobby behalten, weil ich Spass daran haben will, zu fotografieren und nicht, dass mir jemand Anweisungen gibt. Was ich nie machen möchte, sind Hochzeits- oder Babyfotos, weil ich mich nicht darin fühle und die Erwartungen dieser Leute nicht erfüllen kann.

Was willst du fototechnisch noch erreichen? Im Sinne einer Ausstellung oder eines Fotowettbewerbs.          

Eine Ausstellung wäre schon eine großartige Sache oder ein grösserer Fotowettbewerb, bei dem ich mitmachen könnte, zum Beispiel der Sony Weltfotograf oder ein National Geographic Bild. Das habe ich schon vor. Das wäre noch das Zückerchen auf dem I, aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.                                                                                                                         

Was für andere Hobbys hast du nebst dem Fotografieren?

Ich gehe gerne wandern und ich sehe gerne Menschen. Jetzt halt ein bisschen weniger, aber ein Hobby von mir ist es, Menschen zu treffen. Ich pflege meine Kontakte gerne, weil ich Leute kenne, die aufs Alter hin keine Menschen mehr um sich haben und ich möchte nie in die Situation geraten, dass ich dann keine Leute mehr um mich habe.

 

Vielen Dank für das Interview.

Das Interview mit Walter Andreas Schweizer wurde im Frühjahr 2021 geführt.

 

Folgt doch bitte : https://www.instagram.com/zueriusemneneueblickwinkel/

Die Rechte an diesem Interview liegen bei mir und ich wäre froh, wenn sie mich vor der möglichen Weiterverwendung des Interviews kontaktieren würden.

 

LEAVE A COMMENT

Please note, comments must be approved before they are published


BACK TO TOP